Heide-Marlis Lautenschläger


Heide-Marlis Lautenschläger

Toscanische Skizzen

Illustriert mit Zeichnungen aus dem toscanischen Skizzenbuch der Autorin

Privatdruck

Leseprobe Seite 26/28

Colle Verde, Sonntag, 16. Mai

... Die Akazien stehen jetzt in voller Blüte und schmücken das Land hochzeitlich. Ihre Zweige wogen und weben im Wind. Ganz märchenhaft die Serpentinen unter mächtigen Tunneln von Baumkronen. Die Stämme tiefdunkel im Gegenlicht.

Rechts von mir Felswände, üppig von Vegetation bewachsen, zur Straße hin an manchen Stellen durch Mauern befestigt. Links der Abhang hinunter, in dem vor lauter Grün der Grund sich in Geheimnis verliert.

Einprägsames Bild - am Fuße der dunklen Baumstämme, die Efeu schmeichelnd umrankt, im besonderen Kontrast und ruhiger in der Farbe, lang gewundene Reihen großformiger Huflattichblätter.

Dann wieder, wie volle Rabatten, hingestreut bis zur nächsten Kurve, die leuchtenden Köpfchen der gelben Hahnenfußbülten.

Weiß und rosa Sternenfelder, ähnlich den Gänseblümchen, überwuchern das Gestein. Wunderlich zart.

Die Luft ist dunstig vom Morgentau und den Rinnsalen, die aus weitliegenden Höhen durch`s Unterholz sickern und nur in Felsschluchten sichtbar werden. Dazu süß - schwerer Duft der Akazienblüten.

In vertrauten Regionen lösen wieder sonnige Olivenhaine die Schattenwälder ab. Auch da die Hänge von Mauern gestützt, zu Terrassen geformt. Sie muß man im Auge behalten, wenn man Eidechsen sehen will. Oft aber bedeutet ein leises Rascheln, daß sich die hellhörigen Tiere versteckten, bevor man sie wahrnehmen konnte.

Eine Viper liegt auf der Straße. Überfahren. Mir ist gar nicht wohl bei dem Anblick. Aus verschiedenen Gründen. Skorpione gibt`s hier auch.